Interview mit Birgit Frohn über Hausmittel

Birgit Frohn. Foto: Dirk Bielenberg

Birgit Frohn. Foto: Dirk Bielenberg

„Hausmittel sind sanft und natürlich“

Die Human-Biologin und Medizinjournalistin Birgit Frohn, Autorin des Kompakt-Ratgebers „Das kleine Buch der Hausmittel“, hält die traditionellen Anwendungen und Heilmittel aus Großmutters Erfahrungsschatz für eine gute Wahl bei alltäglichen Beschwerden und Erkrankungen: „In puncto Gesundheit rückt immer mehr der Aspekt der Natürlichkeit und Sanftheit in das Bewusstsein der Gesellschaft; die Menschen wollen ihre Beschwerden nicht chemisch ‚unterdrücken‘, sondern ihren Organismus dabei unterstützen, sich selbst zu heilen. Hier spielen altbewährte Hausmittel, wie sie seit Jahrhunderten von Generation zu Generation überliefert werden, eine bedeutende Rolle. Sie bieten uns eine einfache und kostengünstige Möglichkeit, unsere Heilung selbst in die Hand zu nehmen.“

Es ist wieder modern geworden, auf den Erfahrungsschatz der Großmütter zurückzugreifen. Wie kommt es zu diesem „Comeback“ der Hausmittel?

Birgit Frohn: Allen voran deshalb, weil immer mehr Menschen zur Erhaltung und Wiederherstellung ihrer Gesundheit selbst aktiv werden: Einfache Beschwerden behandeln sie auch selbst. Dabei sind natürliche Heilmittel am beliebtesten. Insofern sind Omas Hausmittel genau die richtige Wahl zur Selbstbehandlung: Neben ihrer Natürlichkeit sind sie meist sanft, vergleichsweise günstig, außerdem kennen wir einige oft schon von Kindesbeinen an und schenken ihnen Vertrauen.

Mit Ihrem neuen Ratgeber haben Sie sich vorgenommen, die guten alten Hausmittel von anno dazumal wieder ins Bewusstsein zu rücken. Was hat Sie dazu motiviert, und worin besteht das große Potenzial dieses Heilwissens?

Birgit Frohn: Was mich dazu motiviert hat, ist eben genau dieses große Potenzial traditioneller Hausmittel: Das alte überlieferte Volksheilwissen ist zeitlos aktuell und auch für uns heute sehr wertvoll. Denn es basiert auf natürlichen Heilmitteln, die sich bereits seit Jahrhunderten bewähren sowie einfach und jederzeit angewendet werden können.

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Was ist das Besondere an der Anwendung von Hausmitteln bei Alltagsbeschwerden im Unterschied zu anderen alternativen Behandlungsmethoden?

Birgit Frohn: Der Einsatz von Hausmitteln ist einfach und erfordert keine speziellen Vorkenntnisse. Ebenso ist kein Gang zum Arzt oder Therapeuten erforderlich: Man kann mit Hausmitteln sehr gut unter eigener Regie für seine Gesundheit aktiv werden.

Für manche Hausmittel braucht man nur in den Küchenschrank oder ins Gewürzregal zu greifen, da so manches Heilmittel Nahrung und Medizin zugleich ist. Welche Beispiele können Sie uns hier nennen?

Birgit Frohn: Hier sind vor allem Quark, Knoblauch und Zwiebeln zu nennen. Quark wirkt bei äußerlicher Anwendung entzündungshemmend, senkt Fieber und lindert Schmerzen. Knoblauch hilft durch seine antibakterielle Wirkung bei diversen Infektionen und wird unter anderem bei Ohrenschmerzen eingesetzt. Und Zwiebeln sind wahre Alleskönner: Ihre ätherischen Öle sind krampf- und schleimlösend, daher werden Zwiebeln bei allen Erkrankungen der Atemwege angewendet. Außerdem besitzen sie desinfizierende und entgiftende Eigenschaften. Daneben möchte ich auch Honig und Salz erwähnen: Honig gilt als wertvolles natürliches Antibiotikum, einfaches Kochsalz leistet gute Dienste für Voll- und Fußbäder sowie Nasen- und Gurgelspülungen.

Nicht alles, was die Großmutter wusste oder tat, war sinnvoll oder erfolgreich. Kennen Sie auch „Hausmittel“ oder „Heilmethoden“, von denen man heute besser die Finger lässt?

Birgit Frohn: Ja, beispielsweise offene Brandwunden mit Honig zu behandeln. Solche schweren Verletzungen gehören definitiv in die Hand eines Arztes, um schwere Folgeschäden zu vermeiden.

Auch wenn die Hausmittel meist natürlichen Ursprungs sind, erfordert ihre Anwendung besondere Sorgfalt. Was ist dabei besonders zu beachten?

Birgit Frohn: Berücksichtigt werden muss immer, dass die selbstständige Anwendung von Hausmitteln bei ernsthaften Erkrankungen niemals den Gang zum Arzt ersetzen kann und darf. Deshalb ist in meinem Buch auch stets aufgeführt, wann ärztliche Hilfe unbedingt in Anspruch genommen werden muss. Diese Grenzen der Selbstbehandlung gelten übrigens auch für andere Therapiemethoden.

Welche Hausmittel kennen Sie noch von Ihrer eigenen Großmutter, und welche davon wenden Sie selbst noch an?

Birgit Frohn: Ich bin ein großer Freund von Kopfdampfbädern mit Kamillenblüten und Nasenspülungen bei beginnenden oder bereits bestehenden Erkältungen. Das hilft mir immer sehr gut. Darüber hinaus wende ich gerne und häufig warme Fußbäder an, unter anderem auch bei Erkältungen und Menstruationsschmerzen.


Literaturtipp
Birgit Frohn: Das kleine Buch der Hausmittel. Kompakt-Ratgeber, Bewährtes Heilwissen bei Alltagsbeschwerden von A bis Z, Mankau Verlag, 1. Aufl. November 2015, Klappenbroschur, durchgeh. farbig, 127 Seiten, 7,99 €

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Über Oliver Bartsch
Online-Journalist, Multimediaentwickler, Fachjournalist mit Schwerpunkt Psychologie, Komplementärmedizin, alternative Wohn- und Arbeitsformen, regenerative Energien, Klimawandel, Spiritualität. Gestalttherapeut

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