Interview mit Hermann Straubinger über die Säure-Basen-Balance

Hermann Straubinger

Hermann Straubinger

„Sauer macht alles andere als lustig!“

Der Gesundheitsredakteur Hermann Straubinger, Autor des Kompakt-Ratgebers „Säure-Basen-Balance“, vermittelt einfache und bewährte Methoden, um den Säure-Basen-Haushalt ins Gleichgewicht zu bringen und für Gesundheit und Wohlbefinden zu sorgen: „In unserer modernen Gesellschaft ist Übersäuerung zur Zivilisationskrankheit geworden. Viele Menschen essen zu viel und das Falsche, außerdem bewegen sie sich zu wenig. Die ersten Symptome einer Übersäuerung, wie Kopfschmerzen, Sodbrennen oder depressive Verstimmungen, werden oft übersehen; spätestens jedoch wenn es zu ernsthaften und gefährlichen Erkrankungen wie Niereninsuffizienz, Diabetes oder einer Leberzirrhose gekommen ist, wünschen sich viele, sie hätten sich rechtzeitig informiert und um eine gesunde und ausgewogene Ernährung bemüht.“

Ein übersäuerter Organismus kann die Ursache für viele Krankheiten sein. Welche typischen Symptome und Beschwerden einer gestörten Säure-Basen-Balance lassen sich feststellen?

Straubinger: Zunächst beginnen die Probleme häufig mit Befindlichkeits­störungen wie schlechter Stimmungslage, aber auch Kopfschmerzen. Danach deuten Symptome wie Sodbrennen, Magen-Darm-Störungen, Muskelkrämpfe oder allgemeine Abwehrschwäche auf Übersäuerungszustände hin.

Was versteht man überhaupt unter einem Säure-Basen-Haushalt? Wie kommt dieses komplexe Verhältnis zustande, und wie stellt man das richtige Gleichgewicht fest?

Straubinger: Säuren und Basen verhalten sich gegensätzlich; beide benötigt unser Körper, um den optimalen Ablauf aller biochemischen Prozesse unseres Stoffwechsels zu gewährleisten. Der Säure- bzw. Basengehalt wird mit dem pH-Wert auf einer Skala von 0 bis 14 angegeben. Dabei stellt der pH-Wert 7 den neutralen Zustand dar. Darunter herrschen saure, darüber basische Zustände. Je nach Organ findet man im Körper unterschiedlichste pH-Werte, die mehr oder weniger stark divergieren. So ist der Magen sehr sauer – hier wird Salzsäure produziert; im Speichel und Zwölffingerdarm herrschen dagegen basische Werte. Nur das Blut hat einen konstanten, leicht basischen pH-Wert von 7,4.

Der Mensch ist biologisch gesehen ein „basisches Lebewesen“. Woher stammt diese Zuordnung, und was bedeutet dies für unsere Lebensweise?

Straubinger: Unser Körper besteht zu 80 Prozent aus Basen und zu 20 Prozent aus Säuren. Und wie eben erwähnt, hat das Blut einen pH-Wert von durchschnittlich 7,4. Damit ist der Mensch biochemisch gesehen ein basisches Wesen. Er entwickelt sich wie jedes Lebewesen aus einem basischen Milieu, und eine basische Lebensweise ist die Grundlage für ein gesundes und glückliches Leben.

Die moderne Form der Ernährung, Stress und Bewegungsmangel gelten als hauptverantwortlich für eine Übersäuerung. Wo sollte man zunächst ansetzen, wenn man erste Anzeichen dafür feststellt?

Straubinger: Erst einmal sollte man feststellen, ob man übersäuert ist. Dazu kennt die Naturheilkunde hauptsächlich zwei Methoden: die Messung der sogenannten Basenpuffer-Reserve im Blut oder Urin sowie die Langzeitmessung über mehrere Tage im Urin. Letztere kann jeder selbst mit Lackmuspapier (Urinstreifen) zu Hause absolvieren.

Welche Krankheiten kann eine gestörte Säure-Basen-Balance auslösen, und gibt es auch so etwas wie ein basisches Ungleichgewicht?

Straubinger: Allein die auftretende allgemeine Abwehrschwäche öffnet einer Unzahl von Krankheiten Tür und Tor. Dazu kommen Osteoporose, Hautkrankheiten, Niereninsuffizienz, Diabetes, Leberzirrhose oder Arthrosen. Im Gegensatz zu den Säuren kommt ein Zuviel an Basen im Körper nur in Ausnahmefällen vor, etwa nach der Aufnahme von speziellen Basenmischungen oder während harntreibender Therapien.

Ein überwiegender Anteil basischer Lebensmittel ist also entscheidend für eine gesunde Ernährung. Was sind überhaupt die Säurebildner in unserem Essen, und welche Basenspender gibt es?

Straubinger: Zuerst einmal zählen die Lebensmittel zu den Säurebildnern, die viel – vor allem tierisches – Eiweiß enthalten. Also Fleisch, Käse oder Eier. Dazu kommen industriell veränderte Nahrungsmittel, Feinmehlgebäck und Zucker. Zu den basenbildenden Nahrungsmitteln gehören die meisten Obst- und Gemüsesorten, viele der herkömmlichen Kräuter und Gewürze, einige Nüsse, stilles Mineralwasser, rohe Milch sowie Samen und Keimlinge.

Säure-Basen-Balance

Säure-Basen-Balance

„Man ist, was man isst“ lautet eine bekannte Weisheit, und Ärger schlägt bekanntlich oft auf den Magen. Kann man daraus schließen, dass ein bestimmter Lebensstil dafür sorgt, dass wir nicht so schnell „sauer“ werden – im buchstäblichen wie im übertragenen Sinne?

Straubinger: Der Volksmund ist ja bekannt dafür, dass er das Buchstäbliche mit dem Übertragenen verbindet. Und oftmals hält es wissenschaftlichen Prüfungen stand. So auch hier. Gesunde Ernährung und ein entspannter Lebensstil verhindern, dass wir „sauer“ werden. Das ist wichtig, denn „sauer macht“ eben nicht „lustig“ – da wiederum irrt die Redensart.

Als Gegenmaßnahme bei Übersäuerung empfehlen Sie vor allem das sogenannte „Saftfasten“ mit frischem Obst und Gemüse. Wie läuft so ein Programm ab, und spielen auch die überflüssigen Pfunde eine Rolle beim Säure-Basen-Haushalt?

Straubinger: Es besteht sogar ein enger Zusammenhang zwischen Übersäuerung und Übergewicht. Viele von uns nehmen zu viel sowie das Falsche zu sich und bewegen sich zu wenig! Beim Saftfasten werden dem Organismus durch Säfte auch Vitamine, Mineralstoffe und Kalorien zugeführt. Die Stoffwechselumstellung ist daher beim Saftfasten milder als beim strengen Fasten. Das Schöne daran: Man kann selbst mehrtägiges Saftfasten bequem zu Hause nach Anleitung durchführen.

Literaturtipp

Hermann Straubinger: Säure-Basen-Balance. Kompakt-Ratgeber, Bewährte Tipps und Programm zur Entsäuerung, Mankau Verlag, 1. Aufl. September 2015, durchgehend farbig, 127 Seiten, 7,99 €

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Über Oliver Bartsch
Online-Journalist, Multimediaentwickler, Fachjournalist mit Schwerpunkt Psychologie, Komplementärmedizin, alternative Wohn- und Arbeitsformen, regenerative Energien, Klimawandel, Spiritualität. Gestalttherapeut

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