Interview mit dem Glücksforscher Dr. Günter Harnisch

Dr. Günter Harnisch

Dr. Günter Harnisch

„Glücksfähigkeit lässt sich erlernen“

Dr. Günter Harnisch, Therapeut und Experte für Volksheilkunde, hat ein Glücksprogramm auf vier Säulen entwickelt und erklärt in seinem Ratgeber „Endlich gut drauf!“, wie sich eigene Glücksfähigkeit, Gesundheit und Lebensfreude durch spezielle Ernährung, Teegenuss, Akupressur, Sonnenlicht und Bewegung sowie durch mentales Training gezielt fördern lassen:
„Glücksfähigkeit lässt sich erlernen und bewusst steigern! Hinter Beschwerden wie depressiven Verstimmungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Schlafstörungen, Ängsten und Ähnlichem steckt oft nur ein Mangel am Botenstoff Serotonin. Die Ausschüttung dieses Glückshormons kann man durch ganz natürliche und einfache Methoden anregen – dann müssen wir uns nur noch auf das Glück einlassen!“

Ihr Buch steht unter dem Motto des US-amerikanischen Arztes und Clowns Patch Adams: „Glück ist ein revolutionärer Akt.“ Wie ist das zu verstehen – als Motivation auch für das Buch?

Dr. Harnisch: Glück ist kein mildes Gesäusel, sondern eine kraftvolle Empfindung voll Lebendigkeit. Wo das Glück sich niederlässt, dort herrscht ein Zustand, der tatsächlich viel Ähnlichkeit mit einer Revolution hat. Glück verändert uns von Grund auf, wenn es in unser Leben tritt. Da bleibt kein Stein auf dem anderen. Glück ist imstande, unser Leben völlig umzukrempeln, es vom Kopf auf die Füße oder von den Füßen auf den Kopf zu stellen. Ein Stück unserer ursprünglichen Wildheit begegnet uns dabei. Wir müssen nur bereit sein, uns auf diese Revolution einzulassen und uns aus unserem gewohnten Trott aus Sicherheit und Routine herauszuwagen. Das Buch will Mut machen, sich auf das Glück einzulassen.

Neuere Forschungen bestätigen, dass der Botenstoff Serotonin eine entscheidende Rolle für alle Funktionen des Körpers und der Psyche, für Lernen und Gedächtnis, für Bewegung und Erholung, für Stoffwechsel und Organfunktionen spielt. Welche Krankheiten entstehen aufgrund des Mangels an Serotonin?

Dr. Harnisch: Serotoninmangel kann das Entstehen sehr unterschiedlicher, teilweise krankhafter Erscheinungen fördern, die nur auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Dazu zählen Hyperaktivität, erhöhte Schmerzempfindlichkeit, depressive Verstimmungen, Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Ängste, aber auch Vergesslichkeit, Heißhungerattacken, Intoleranz, Aggressivität und erhöhte Stressempfindlichkeit. All diese Symptome können, wie mehrere Forschergruppen in den USA herausgefunden haben, auf einen zu niedrigen Serotoninspiegel zurückzuführen sein.

Das von Ihnen vorgestellte Glücksprogramm beruht auf vier Säulen. Welche sind das? Gibt es hier eine Gewichtung zwischen diesen Komponenten?

Dr. Harnisch: Die erste Säule, auf der das Glücksprogramm steht, setzt bei der Ernährung an – mit einer speziellen serotoninsteigernden Kost und mit Tee aus einer seit der Antike bewährten Kult- und Heilpflanze. Die zweite Säule gründet auf fernöstlicher Akupunktur und auf Akupressurmethoden, die sich für die Selbstanwendung gut eignen. Sie geben dem Körper vor allem Ruhe, Entspannung und Ausgeglichenheit über die Haut, aber auch Schmerzfreiheit z. B. bei Rückenbeschwerden, wie eine neuere Studie der Universität Essen-Duisburg bestätigt. Bewegung und Sonnenlicht in gezielter Dosierung stehen bei der dritten Säule im Vordergrund und führen zu einem deutlichen Anstieg des Wohlfühlhormons Serotonin im Gehirn. Bei der vierten Säule geht es darum, unser eigenes Glücksempfinden mental zu steigern. Denn ähnlich wie wir unsere Muskeln und unser Gedächtnis durch Übung verbessern, können wir auch unsere Glücksfähigkeit trainieren. Eine spezielle Rangfolge unter den einzelnen Komponenten gibt es nicht. Jede der vorgestellten Methoden kann für sich allein angewandt werden und ist für sich allein wirksam. Natürlich erhöht sich die persönliche Glücksfähigkeit stärker, wenn mehrere oder alle vier Säulen genutzt werden.

Endlich gut drauf

Endlich gut drauf

Als Ausgleich für den Serotoninmangel verweisen Sie auf die sogenannte Inkakost mit den Getreidesorten Amaranth und Quinoa. Wie wirken diese? Und welche anderen Lebensmittel begünstigen das Glücklichsein?

Dr. Harnisch: Die Körner von Amaranth und Quinoa enthalten im Vergleich zu Vollkornweizen fast die doppelte Menge Eisen, etwa 30 Prozent mehr Ballaststoffe und Zink, vor allem aber ungewöhnlich viel Magnesium und Calcium. Besonders wertvoll ist die Inkakost durch ihre hohen Anteile an ungesättigten Omega-3-Fettsäuren und an Tryptophan, einem Stoff, aus dem der Körper Serotonin herstellen kann. Der ungewöhnlich hohe Lysingehalt in der Inkanahrung ist unentbehrlich für die Fettverbrennung und erhöht die körperliche Leistungsfähigkeit. Diese Eigenschaften sind vor allem wichtig für Spitzensportler. Astronauten nehmen Inkakost mit ins All. Tryptophan ist auch in Sojabohnen enthalten und, allerdings in geringerer Konzentration, in weißen Bohnen, Milchprodukten, Schokolade und Rindfleisch.

Gegen das Nachlassen der Gehirnfunktionen soll schon seit Langem ein Kraut gewachsen sein: die traditionelle Kult- und Heilpflanze Griechisches Eisenkraut. Gibt es damit neue Hoffnung für Demenzkranke und Alzheimerpatienten?

Dr. Harnisch: Das Griechische Eisenkraut gibt tatsächlich Anlass zu neuer Hoffnung bei unterschiedlichen Formen von Demenzerkrankungen. Zwar kennt man bis heute noch längst nicht alle Ursachen für das Entstehen von Demenz, und ein pharmazeutisch wirksames Heilmittel gegen diese Krankheit ist auf absehbare Zeit nicht in Sicht. Doch neuere Forschungen bestätigen, dass sich zumindest das Fortschreiten der Krankheit mit Hilfe dieser Heilpflanze verlangsamen oder gar verhindern lässt. Es ist also durchaus möglich, die Krankheit zu stoppen, ihr vorzubeugen und auf diese Weise bis ins hohe Alter einen klaren Kopf zu behalten.

Glücksempfindungen werden bekanntlich auch über die Haut ausgelöst und gesteigert. Welche Methoden und Techniken stehen hier zur Verfügung?

Dr. Harnisch: Dass unterschiedliche Massagetechniken Glücksempfindungen auslösen, ist aus vielen Kulturkreisen bekannt. In diesem Buch geht es darum, Methoden der Selbstakupressur und Akupunktur zur Erhöhung der Glücksfähigkeit anzuwenden. Solche Methoden haben schon die indischen Fakire erfolgreich genutzt.

Schon unsere Eltern und Großeltern wussten, dass Bewegung an der frischen Luft und frühes Zu-Bett-Gehen nicht nur Kindern guttut. Gibt es wissenschaftliche Forschungen, die die Bedeutung dieses Alltagswissens für das Glücksempfinden untermauern?

Dr. Harnisch: Bereits die großen Ärzte der Antike nutzten die heilende Kraft des Sonnenlichts bei allen möglichen Erkrankungen. Bei uns setzt die Erfahrungsmedizin Behandlungen mit Sonnenlicht seit Jahrhunderten erfolgreich ein – vor allem bei Rachitis, Osteoporose und zur Wundheilung. Neuere wissenschaftliche Untersuchungen zeigen gute Erfolge durch dosierte Sonneneinstrahlung bei Bluthochdruck, Herzschwäche, Schuppenflechte und rheumatischen Erkrankungen, aber ebenso bei bestimmten Formen von Depressionen und Schlafstörungen. Weitere Forschungen dazu sind dringend notwendig und wünschenswert. Häufig bestätigen solche Untersuchungen vergessenes Wissen, das schon unsere Ahnen erfolgreich angewandt haben.

Biografische Beispiele und neurobiologische Erkenntnisse beweisen, dass Begeisterungsfähigkeit die beste Nahrung für das Gehirn ist. Lässt sich damit das Glück sogar trainieren?

Dr. Harnisch: Ja, Glück kann man tatsächlich trainieren. Am besten geht das, indem man seine eigene Begeisterungsfähigkeit stärkt. Zum Einen können wir in unserem Leben möglichst viele Situationen schaffen, in denen wir uns für etwas so richtig begeistern. Denn immer dann, wenn uns etwas unter die Haut geht, wenn uns etwas so richtig gut gelungen ist, wird in unserem Gehirn eine Gruppe bestimmter Nervenzellen aktiviert. Diese Zellen schütten dann eine ganze Kaskade von Glücksbotenstoffen aus und bilden entsprechende neue neuronale Netzwerke aus. Unser Gehirn entwickelt sich so, wie wir es mit Begeisterung nutzen. Wenn wir uns langweilen, geschieht nichts dergleichen.
Zum anderen können wir Begeisterung auch an Leitbildern trainieren. Dazu brauchen wir Vorbilder, an deren Interessen und Fähigkeiten wir uns orientieren können. Manchmal müssen wir über die Grenzen unseres Kulturkreises hinaus schauen, um Vorbildern zu begegnen, die ihre Begeisterung mit großer Selbstverständlichkeit leben. Diese Begegnung geschieht oft über Literatur, indem wir z. B. Biografien oder Zeitungsberichte lesen. Aber manchmal finden wir solch mitreißende Menschen auch direkt in unserem Leben, in unserem persönlichen Umfeld.

Buchtipp:
Harnisch, Dr. Günter: Endlich gut drauf! – Wie Sie Ihre Glückshormone natürlich anregen, 1. Aufl. 2014, ISBN 978-3-86374-172-3, Taschenbuch, 126 S., 9,95 €

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Über Oliver Bartsch
Online-Journalist, Multimediaentwickler, Fachjournalist mit Schwerpunkt Psychologie, Komplementärmedizin, alternative Wohn- und Arbeitsformen, regenerative Energien, Klimawandel, Spiritualität. Gestalttherapeut

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