Interview mit der schamanischen Lehrerin Sabine Treeß über die Lebensaufgabe

Sabine Treeß

Sabine Treeß

„Das Leben geht weiter, immer…“

Sabine Treeß gründete 2003 die private Lebenskunstschule „Auf dem Weg“, in der sie Seminare, Familienkurse und auch Ausbildungen anbietet. Die Releasinglehrerin, Heilpraktikerin und schamanische Lehrerin begleitet Menschen auf dem Weg zu sich selbst. Im Interview beantwortet sie Fragen nach der eigenen Lebensaufgabe, woran man erkennen kann, dass man seine Aufgabe im Leben gefunden hat und wie man es schafft, seine Lebensaufgabe in die Welt zu bringen

Ist das Leben erst dann sinnvoll, erfüllend und glücklich, wenn man seine eigene Lebensaufgabe gefunden hat?

Menschen erleben das sicher unterschiedlich, denn die Bedeutung der Existenzsicherung, das Bedürfnis nach Anerkennung und der Wunsch nach gesellschaftlicher Zugehörigkeit kann in bestimmten Lebensphasen ganz im Vordergrund stehen und die eigentliche Lebensaufgabe in den Hintergrund treten lassen. Wenn es um die Sicherung von existentiellen Bedürfnissen geht, ist es sicher sinnvoll, sich erstmal um etwas zu Essen zu kümmern, und die Frage nach Sinn und Berufung steht dann an zweiter Stelle.

Aber das Empfinden von Leere und Sinnlosigkeit, das viele Menschen in der westlichen Welt mit Konsumgütern und Ersatzbefriedigungen zu betäuben versuchen, hat meiner Ansicht nach sehr viel damit zu tun, dass wir verlernt haben, auf unsere Seele zu hören und zu spüren, was uns wirklich glücklich machen würde. Die Lebensaufgabe ist ja ein Ruf aus den Tiefen unserer Seele, endlich das zu tun, wofür wir hier auf die Erde gekommen sind. Und das erstmal unabhängig von gesellschaftlicher Anerkennung und finanziellem Gewinn.

Wenn wir diesem Ruf folgen und uns auf den Weg machen, die Impulse aus unserer Seele in die materielle Wirklichkeit zu bringen, wird das Gefühl von Sinn und Erfüllung in dem Maße zunehmen, wie es uns gelingt, stimmige Ausdrucksformen für unsere Berufung zu finden. Das kann sowohl im beruflichen als auch im privaten Umfeld geschehen. Nicht jede Lebensaufgabe muss sich im Arbeitsfeld ausdrücken, auch in den persönlichen Beziehungen, in der Familie und in der Beziehung zur Natur sowie zu uns selbst setzt sich der Ruf unserer Seele um. Das ganze Leben im Einklang mit der Seele aktiv zu gestalten, macht glücklich.

Wie ist ihr eigener Weg zu Ihrer Lebensaufgabe verlaufen?

Ich bin schon sehr früh in meinem Leben mit den Fragen nach Sinn und Bedeutung meines Lebens unterwegs gewesen, habe mit zwölf angefangen zu meditieren, Hermann Hesse u. a. AutorInnen gelesen, selber viel geschrieben und mit 16 die ersten Selbsterfahrungsgruppen besucht. Gegen Ende der Schulzeit geriet ich dann durch schwierige Umstände und negative Beziehungserfahrungen in eine immer größere Krise. Zudem begann ich ein Studium, das sich in der Art der Durchführung und der beruflichen Perspektive völlig sinnlos anfühlte. Das Ganze ging soweit, dass ich morgens nicht mehr aus dem Haus ging und mein Leben beenden wollte.

Zum Glück brachte mich ein Freund dann in einer spirituellen Lebensgemeinschaft auf dem Land als Haushalts- und Gartenhelferin unter, wo ich meine ReleasinglehrerInnen Dr. Isa und Yolanda Lindwall kennen lernte und vieles loslassen konnte, was sich an schwierigen, traumatischen Erlebnissen in meiner Kindheit und Jugend sehr belastend auf meine Seele gelegt hatte.

Der Wunsch und die Vision, Menschen Räume anzubieten, in denen sie wieder in Kontakt mit ihrer Seele und ihrem kreativen, schöpferischen Potential kommen, entstand bereits in dieser Zeit. Durch Kontakte zu anderen SchülerInnen von den Lindwalls erfuhr ich von einem Studium der Kulturpädagogik, das mir für das, was mir vorschwebte, den weltlichen Rahmen bieten konnte. Gestärkt und geklärt durch die Releasingarbeit an mir selbst, die heilsame Unterstützung der Lindwalls und der ganzen Gruppe ihrer SchülerInnen ging ich von dort an meinen Weg. Zwar nicht ohne Krisen und Herausforderungen, aber doch innerlich sehr geführt von dem Kontakt zu meiner Seele und meiner Berufung.

Woran merkt man, dass man seine Lebensaufgabe gefunden hat? Können Sie uns das an einem Beispiel erklären?

Zu merken ist es meiner Erfahrung nach vor allem an dem Gefühl von Freude und von Sinn, bei dem was ich tue und auch von dem, was ich lasse. Sich mit dem Leben verbunden zu fühlen, das Gefühl auf dem richtigen Weg zu sein, sich im kreativen Fluss mit allem was ist zu befinden, sind andere Beschreibungen von Momenten, die die Meisten von uns kürzer oder länger kennen und sich mehr davon wünschen. Nur wissen wir oft nicht wie, verlieren unseren Weg wieder aus den Augen und lassen uns von Ängsten, Gewohnheiten und alten Programmierungen davon abbringen.

Wenn ich bei meinem eigenen Beispiel bleibe, kann ich von heute aus sehen, in welchen destruktiven Beziehungsmustern, unerfüllten Sehnsüchten nach Liebe und Zugehörigkeit und auch gesellschaftlich geprägten Vorstellungen von dem, was man mit seinem Leben nach dem Abitur anfängt, ich gefangen war. Es fiel mir damals schwer alles loszulassen, was mein damaliges Leben in der Großstadt ausgemacht hatte, z.B. FreundInnen, die erste eigene Wohnung und eine unerfüllte Liebesbeziehung und dann in ein Leben auf dem Land zu springen, was mir völlig unbekannt war.

Diese Notwendigkeit, Altes, Überlebtes loszulassen und den Sprung zu wagen, hat sich in meinem Leben mehrfach wiederholt. Und jedes Mal wurde ich mutiger und zuversichtlicher, denn die Erfahrung hatte gezeigt, dass es sich jedes Mal gelohnt hat, weil ich anschließend freier war, ich selbst zu sein und dem Ruf meiner Seele zu folgen. Das muss nicht immer im Außen so dramatisch sein, aber oft halten wir viel zu lange an unerfüllten Lebensumständen fest und leiden seelisch, statt loszulassen und weiter zu gehen. Wenn wir rechtzeitiger werden in der Wahrnehmung unserer Seele, braucht es eher viele kleine Veränderungen auf dem Weg als große Dramen, bzw. erleben wir diese ganz anders im Vertrauen auf das Leben.

Warum ist gerade der schamanische Weg geeignet, Menschen in ihre Bestimmung oder Lebensaufgabe zu führen?

Das schamanische Reisen, so wie ich es praktiziere und unterrichte, ist einfach eine hervorragende und bewährte Kommunikationsform mit der Seele und den helfenden Spirits der Anderswelt, die jeder lernen und für sich im Alltag nutzen kann. Bevor ich zum schamanischen Weg Zugang bekommen habe, kannte ich ähnliche Erfahrungen aus Fantasiereisen, Meditationen, Atemsitzungen und verschiedenen anderen Formen der Imaginations- und Symbolarbeit sowie aus dem kreativen Schreiben mit Märchen. Wir kommunizieren über viele verschiedene Wege mit der Seele, aber in dem schamanischen Reisen tun wir das pur und ohne Einmischung der Anleitung anderer Personen, die ja ihre eigene Wirklichkeit immer in Begleitung zum Beispiel einer Fantasiereise mit einbringen.

Die schamanische Erfahrung ermöglicht darüber hinaus Einblicke in die Welt der Seele, die uns spürbar werden lassen, dass wir niemals allein und in Wirklichkeit mit allem verbunden sind, was existiert. Auch mit der Erde, mit den Krafttieren, den Pflanzen und mit der geistigen Welt, die uns alle gerne liebevoll unterstützen, wenn wir sie danach fragen. Diese größere Perspektive auf das Leben hier auf der Erde kann uns in vielen Lebenssituationen helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen und uns mit unserer Seele abzustimmen, wenn wir in schwierigen Situationen zweifeln, ob wir auf dem richtigen Weg sind.

Was sind die Haupthindernisse auf dem Weg zu seiner Berufung oder seiner Lebensaufgabe?

Die Haupthindernisse, die uns auf diesem Weg begegnen, sind individuell unterschiedlich und zum Teil auch geschlechtsspezifisch, denn sie haben vor allem mit unseren erlernten Überlebensmustern und kollektiven Programmierungen zu tun. Für den einen Menschen stehen mehr der Kleinmut, die Unsicherheit und die Identifikation mit den Ängsten vor der eigenen Macht und der eigenen Größe im Weg. Für Andere ist die größte Hürde die Selbstüberschätzung, der Größenwahn und Egoismus. Beides ist nicht verbunden mit der Wahrheit und dem Potential der Seele und mit den unterstützenden Kräften der Anderswelt.

Wenn wir uns auf den Weg zu unserer Berufung machen und dem Ruf der Seele folgen, begegnen uns die verschiedenen erlernten Muster als Widersacher, die sich uns in den Weg stellen und glauben machen, dass es besser ist stehen zu bleiben, wo wir sind oder sogar umzukehren zu dem Gewohnten und sicherem Leben von vorher. Der Wunsch nach Sicherheit ist sicher eines der größten Hindernisse auf dem Weg, denn auf dem Weg der Seele ist eigentlich nur eines sicher: Die ständige Veränderung im Fluss des Lebens.

Sabine Treeß: dem Ruf der Seele folgen

Sabine Treeß: Dem Ruf der Seele folgen

Auch nach der „Erleuchtung“, dem Öffnen der Energie des Scheitelchakras, dem Ankommen in seiner Mitte, warten noch genug Hindernisse auf den Menschen. Warum ist es so wichtig, die Erleuchtungsmomente anschließend wieder bis in das Basischakra, in den Körper und in den Alltag zu bringen?

Ein wichtiger Lehrer von mir sagte mal: „Nach der Erleuchtung fängt die Arbeit eigentlich erst richtig an“. Damals habe ich das noch gar nicht verstanden, heute habe ich eine Ahnung davon, was er gemeint haben könnte. Wenn wir angekommen sind in unserer Lebensaufgabe und unserer Berufung und dem Ruf der Seele folgen, ist das eine Art Gipfelerfahrung und wir fühlen uns eine Zeit lang völlig verbunden mit uns selbst und dem Leben. Das ist wundervoll und möchte erstmal gefeiert werden.

Doch irgendwann geht es uns wahrscheinlich ähnlich wie dem Narr oder der Närrin im Tarot, dass wir immer weitergehen und gar nicht merken, dass wir keinen Boden mehr unter den Füßen haben. Je länger wir das tun, um so tiefer ist der Sturz aus der Höhe. Das Ego fängt an, sich mit diesem Erleuchtungszustand zu identifizieren, nimmt das als neue Sicherheit und will diese Einheitserfahrung konservieren. Doch das Leben geht weiter, immer.

Wenn wir den Weg wieder hinaus in die Welt gehen und weiter auf unsere Seele lauschen, begegnen uns unweigerlich Hindernisse und Herausforderungen, die uns aber gleichzeitig helfen, die Erfahrung unserer Berufung zu stabilisieren. Die Erkenntnisse zu kommunizieren, sie in die lebendigen Beziehungen zu anderen Menschen einzubringen, unsere Gedanken, Gefühle, unseren Körper und unsere Liebe zu transformieren und wachsen zu lassen, ist für mich der Weg der Umsetzung von dem Ruf der Seele in den Alltag. Indem wir das auf die Erde bringen, was wir in der Welt der Seele erfahren haben, wird es gelebte, sichtbare Wirklichkeit für uns selbst und für Andere, die mit unserer Lebensaufgabe verbunden sind.

Inwiefern trägt die Erkenntnis seiner Lebensaufgabe dazu bei, die Menschheit und den Planeten zu retten?

Ob der Planet Erde von uns Menschen gerettet werden wird oder ob Gaia, Mutter Erde, eher uns rettet, ist noch die Frage. Aber ich glaube, dass die Menschen, die sich mit ihrer Seele rückverbinden und dem Ruf folgen, auch wieder die Verbindung mit allem Leben fühlen. Deshalb werden sie im Einklang mit ihrer Seele mehr Verantwortung übernehmen für den heilsamen Umgang mit der Natur und die notwendigen Veränderungen im Zusammenleben der Menschen. Wenn das jeder an dem Platz tut, an dem er oder sie sich berufen fühlt zu sein und zu wirken, wird das sicher einen großen Unterschied machen in der weiteren Entwicklung der Menschheit und dem gesamten Leben hier auf der Erde.

Buchtipp:

Sabine Treeß: Dem Ruf der Seele folgen, Verwirkliche Deine Berufung mit Releasing und Schamanischen Reisen, Sheema Medien Verlag; 2011, 184 Seiten, gebunden, mit CD, 24,99 €

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Über Oliver Bartsch
Online-Journalist, Multimediaentwickler, Fachjournalist mit Schwerpunkt Psychologie, Komplementärmedizin, alternative Wohn- und Arbeitsformen, regenerative Energien, Klimawandel, Spiritualität. Gestalttherapeut

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