Interview mit dem Öko-Pionier und Lakota-„Communicator“ Dr. Stephan Götze

Dr. Stephan Götze

Dr. Stephan Götze

„Um unsere Erde zu retten, müssen wir von den Indianern lernen!“

„Angesichts der massiven ökologischen Probleme und Herausforderungen, vor denen wir Menschen stehen, sollten wir von denen lernen, die sich am besten mit der Natur auskennen und seit jeher im Einklang mit ihr leben. Das indianische Grundwissen ist für jeden sofort nachvollziehbar, kann in jedes Weltbild integriert werden und helfen, unseren Planeten zu heilen.“ Der Öko-Pionier und Lakota-Communicator Dr. Stephan Götze will mit seinem Buch „Hüter der Schöpfung“ dem Auftrag der Lakota-Medizinmänner nachkommen, das wertvolle Wissen der Indianer für die Heilung unserer Umwelt und des Menschen zu erklären.
Wie kam es zu Ihrem ersten Kontakt zu den Lakota-Indianern?

Dr. Götze: Es war im Frühjahr 1988. Meine Schwester war eine der ersten Händlerinnen in der Öko- und Healthfood-Szene und bekam auf irgendeinem Weg ein kopiertes Blatt mit der Ankündigung, ein Lakota-Indianer würde an einen abgelegenen Ort in Österreich kommen und dort ein Wochenend-Seminar halten – dieser Lakota war Lame Deer. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, wer er war. In unserer Familie bestand jedoch schon immer Interesse an Natur, Psychologie, Spiritualität und Ökologie, und bei meiner Schwester und mir speziell auch an Indianern. Also fuhren wir spontan hin.

Wie konnte sich zwischen den Medizinmännern der Lakota und Ihnen ein so außergewöhnliches Vertrauensverhältnis aufbauen?

Dr. Götze: Das bestand sofort, von Anfang an. Lame Deer fragte mich schon am zweiten Tag, ob ich sein Feuermann werden würde, und sagte ein paar Wochen später, ich müsse mit nach Süd-Dakota kommen. Er nahm mich schon nach dem ersten Sonnentanz mit zum Ältestenrat.

Was können wir von den Indianern lernen?

Dr. Götze: Wenn ich es in wenigen Punkten sagen soll: die Lehre vom Kosmos, die sich mit bestehendem westlichem und östlichem Wissen ergänzt. Angesichts der ökologischen Probleme auf unserem Planeten – wie dem Klimawandel und der Ressourcenplünderung – sollten wir alle von denen lernen, die sich am besten mit der Natur und ihren Kreisläufen auskennen und seit jeher im Einklang mit ihr leben. Seitdem ich dem indianischen Wissen vertraue, habe ich mehrmals erstaunliche Reaktionen von Tieren erlebt, z.B. wie sie mir einen Weg zeigten, den ich alleine nie gefunden hätte. Und ich habe auf meinem Lehrweg gelernt, die Zeichen des Himmels zu lesen.

Lassen sich die indianischen Lehren und Weisheiten direkt auf unser modernes, westliches Leben übertragen oder sind Anpassungen nötig?

Dr. Götze: Das hat meiner Meinung nach zwei Seiten. Niemand kann einfach so Medizinmann, Feuermann oder Ähnliches werden, ohne einen Medizinmann zum Lehrer und einen Lehrweg zu haben. Dieser Weg aber dauert lange und ist nicht einfach.

Der zweite Aspekt ist jedoch, dass das Grundwissen der Lakota für jeden leicht und sofort nachvollziehbar ist und in jedes Weltbild integriert werden kann. Man muss nur ein paar Grundsteine der indianischen Weltanschauung übernehmen, beispielsweise dass das ganze Universum ein Organismus ist und keine toten Steine, die zufällig in Ellipsen umeinander fliegen.

Sie selbst haben die Erscheinung von Crazy Horse gesehen – können Sie dieses Erlebnis beschreiben?

Dr. Götze: Es dauerte etwa 35 bis 45 Minuten, ich beschreibe es ausführlich in meinem Buch. Hier möchte ich dazu nur sagen: Es gibt Gott, den Großen Geist, wirklich, und unsere Gebete werden gehört, egal ob es fünf Minuten oder 50 Jahre dauert. Für mich war es eine Erlösung und ein überraschendes Geschenk.

Was kann jeder Einzelne von uns tun, um zur Heilung der Erde beizutragen?

Dr. Götze: Zunächst muss jeder von uns daran glauben, dass wir gemeinsam die Erde heilen können, und im Stillen darum bitten, und zwar für sich und für die anderen, die man oder frau liebt, für heute und für die Zukunft. Wer die innere Bereitschaft dazu hat, seinen Beitrag zu leisten, wird sich automatisch richtig verhalten: Wählen Sie die Waren, die Sie kaufen, sorgfältig aus, hinterfragen Sie die konventionellen Marken, bevorzugen Sie ökologische Produkte, die aus Ihrer Region und aus nachhaltiger Wirtschaft stammen und so weiter – es gibt viele Möglichkeiten, unserer Umwelt Gutes zu tun oder sie zumindest nicht unnötig zu strapazieren.

„You are our communicator – go tell them!“ lautet kurzgefasst der Auftrag von Archie Fire Lame Deer an Sie – wie versuchen Sie, dieser Verantwortung nachzukommen?

Dr. Götze: Ich habe, religions- und politikfrei, 24 Jahre lang zur Verbreitung des Umweltbewusstseins, vor allem in der Industrie, beigetragen, durch Marketingkommunikation, Verhaltensforschung, Public Relations, Verbandsarbeit. Ich war viele Jahre zu Beginn der ökologischen Bewegung auf die Markteinführung und das Marketing der jeweils ökologischsten Produkte ihrer Sparten spezialisiert. Das war für mich die Übertragung der indianischen Haltung in die heutige Zeit, ohne dabei für Indianer Werbung zu machen.

Jetzt, nachdem das Thema Klimawandel nicht weichen mag und ich alt genug bin und hoffentlich genug verstanden habe, haben meine Commitments, meine „inneren Verpflichtungen“, in mir gearbeitet. Den Menschen, die sich angesichts alarmierender Nachrichten fragen, wo das denn alles hinführen soll, möchte ich erzählen, was ich erlebt habe. Vielleicht kann ich auf Basis meiner wissenschaftlichen Ausbildung und der Objektivität meiner Studien für große Unternehmen und Verbände dazu anregen, Manches nochmals neu zu betrachten und zu überdenken.

Warum haben gerade Sie einen solchen Auftrag von den Lakota-Indianern erhalten?

Dr. Götze: Ich kenne einige Weiße, die mehr über die Lakota, ihre Religion und ihre Sprache wissen als ich und wahre Schamanen geworden sind; manche waren auch mutiger oder haben noch mehr Einsatz gezeigt. Wieder andere haben einfach so drauflosgeschrieben, auch ohne ein „Go“ durch einen Ältesten, mit ganz unterschiedlichen Ergebnissen.

Jedoch ist anzunehmen, dass davon kaum einer Lehrbeauftragter an einer für Wirtschaft weltweit angesehenen Universität, Bundesvorstand im Verband der Markt- und Sozialforschung und Redner auf einschlägigen Weltkongressen war, mit einer Promotion in Sozialpsychologie und dem Standing von Hunderten von Arbeiten für Industrie-Unternehmen. Ich habe außerdem die Ökologie von Anfang an interdisziplinär betrachtet, also auch von der Seite der Physik und der Mathematik her. Von daher bin ich für das Thema der Übersetzung indianischer Ur-Lehren in unsere Welt von heute einfach ein praktischer Kandidat. Außerdem spricht für mich mein innerer Abstand. Ich denke nicht an Geschichte und große Namen, sondern eher daran, wann die Arbeit getan ist und ich wieder mit meinen Kindern spielen und auf ein Konzert gehen kann. Ich trage meistens Jeans, höre Rockmusik und bin außer bei den Zeremonien ganz hier in dieser Realität. Die Spiritualität ist dabei für mich Alltag. Indianer sind wir im Inneren; anders gesagt, „innen sind wir alle rot“. Für mich ist die Herzensverbindung zum Stamm immer da, egal wo ich mich befinde. Ich bin nicht ein Weißer, der über Indianer berichtet, sondern wir sind eine Familie.

Buchtipp: Stephan Götze: Hüter der Schöpfung
Der indianische Weg zur Heilung der Erde und des Menschen
Mankau Verlag, 1. Aufl. Nov. 2013, Hardcover mit Schutzumschlag, 281 S., 19,95 Euro

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Über Oliver Bartsch
Online-Journalist, Multimediaentwickler, Fachjournalist mit Schwerpunkt Psychologie, Komplementärmedizin, alternative Wohn- und Arbeitsformen, regenerative Energien, Klimawandel, Spiritualität. Gestalttherapeut

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