Interview mit Bärbel Mechler über den Umgang mit Psychopathen

Bärbel Mechler

Bärbel Mechler

Raus aus der Opferrolle

Die spirituelle Heilerin Bärbel Mechler  macht mit ihrem Buch „Von Psychopathen umgeben“ Mut, gezielt gegen „Quälgeister“ im persönlichen Umfeld vorzugehen, entlarvt deren psychopathische Persönlichkeitsstrukturen und vermittelt adäquate Reaktions- und Handlungsmöglichkeiten zur Gegenwehr.

Was ist Ihre Definition von Psychopathen?

 Bärbel Mechler: Ich definiere den Ausdruck Psychopath ausschließlich umgangssprachlich als Überbegriff für jene Menschen, die ein starkes antisoziales Verhalten zeigen. Ich weise darauf hin, dass es sich um keine Diagnose im medizinischen Sinn handelt. Der Psychopath kann seine spezifischen Bedürfnisse wie uneingeschränkte Machtausübung und überzeichnete Selbstdarstellung in der ihm ganz eigenen Kommunikation mit seinem oft gezielt ausgesuchten Gegenüber erst richtig ausleben. Solange dieses Gegenüber mitspielt, d.h. sanft und gutmütig bleibt, hat er freie Bahn. Er hat nur Geringschätzung für solche Mitmenschen übrig und versucht gefühlskalt, sie in jeder Hinsicht zu verletzen, nur um ihre vermeintliche Wertlosigkeit zu demonstrieren. Dazu kommt ein Mangel an Mitgefühl und wenig Bereitschaft, sein Verhalten ändern zu wollen.

Wie wird man zum Psychopathen?

Bärbel Mechler: Aus traumatischen und verletzenden Kindheitserfahrungen entwickelt der Psychopath ein Abwehrsystem, dass hauptsächlich aus manipulativem Verhalten und indirekter Kommunikation besteht. Er ist darin so sehr gefangen, dass er keinerlei Bewusstheit darüber hat, wie sehr er andere Menschen verletzt. Er erlebt die Welt als ein Ort voller Gefahren und Verrat, vor dem man sich schützen muss. Menschen mit psychopathischem Charakter müssen lernen, wie gut es tut, Schritt für Schritt ihre Maske abzulegen, zu einer offeneren Kommunikation zu stehen und dass es keine Demütigung ist, Schwäche, Verletzlichkeit und Angst oder Trauer zu zeigen.  

Wie begegnen Sie Menschen, die Hilfe suchend zu Ihnen kommen, weil sie oft schon eine gefühlte Ewigkeit unter einem „Psychopathen“ leiden?

Bärbel Mechler: Es ist für mich immer wieder von Neuem äußerst bewegend, Menschen zu erleben, die sehr verzweifelt sind. Es ist eine Mischung aus tiefem Mitgefühl und Verständnis, aber auch  großem Respekt vor dem, was sie ertragen und geleistet haben. Aber ebenso weiß ich, dass sie durch die Kontaktaufnahme schon den ersten Schritt in Richtung Veränderung getan haben und das starre System ihrer Opferrolle aufzubrechen beginnt. Wir können also sofort und konkret mit der Arbeit starten.

Menschen, die unter schwierigen Familienangehörigen, Kollegen oder Vorgesetzten leiden, spüren ja schon intuitiv, dass sie etwas verändern müssen – wie schaffen Sie es, ihnen entsprechend Mut für weitere Maßnahmen zuzusprechen?

Bärbel Mechler: Nun, ich glaube, dass ein sehr wichtiger Aspekt dabei ist zu verstehen, dass wir nicht die Umstände verändern können, sondern nur uns selbst bzw. unsere Vorstellungen und unser Verhalten. Wenn das geschieht, reagiert zwangsläufig auch unser Umfeld entsprechend darauf.

Allein der tiefe Wunsch, sich nicht mehr bereitwillig in destruktive Auseinandersetzungen hineinziehen und sich die Rolle des Verlierers oder des Sündenbocks zuweisen zu lassen, ist eine starke Kraft, die – richtig eingesetzt – große Umbrüche bewirken kann. Niemand kann uns daran hindern, unsere Kraft zu entfalten, wenn wir uns dazu entschließen, und wir müssen unsere Peiniger dafür nicht um Erlaubnis bitten.

 Welche ersten Verhaltensmaßnahmen für Ihren Klienten bzw. Ihre Klientin empfehlen Sie?

Bärbel Mechler: Es ist immer sehr hilfreich, zunächst die eigene Selbsteinschätzung zu überprüfen und schrittweise zu korrigieren und sich gleichzeitig mit den typischen Merkmalen psychopathischer Charaktere vertraut zu machen. Sobald es meinen Klienten gelingt, den Blickwinkel etwas zu verändern und die Position des Beobachters einzunehmen, wird ihnen schnell deutlich, dass sie es mit Personen zu tun haben, die sich ihr herrisches, selbstverliebtes Auftreten nur deshalb leisten können, weil andere, so wie sie selbst, von der eigenen Hilflosigkeit überzeugt sind, und ihnen damit das Feld überlassen. Und es macht Mut zu sehen, dass das, was sie persönlich als Stärke gedeutet haben, in Wirklichkeit ein großer, bedauernswerter Mangel etwa an Empathie und Menschlichkeit ist.

Falls ein Betroffener überzeugt ist, dass er es schafft, sich von „seinem“ Psychopathen  trennen zu können, begleiten Sie ihn dann bis zum glücklichen Ende?

Von Psychopathen umgeben

Von Psychopathen umgeben

Bärbel Mechler: Grundsätzlich begleite ich jeden Klienten so lange, wie er es wünscht. Wer z. B. mit einem psychopathischen Menschen verheiratet ist oder in einer engen Beziehung lebt, ist nicht selten auf vielen Ebenen destabilisiert und oft nicht mehr in der Lage, nur einen einzigen klaren Gedanken zu fassen. Hier macht eine längere Begleitung natürlich Sinn. Doch  generell ist das Ziel, keine neuen Abhängigkeitsverhältnisse aufzubauen, sondern die Betroffenen zu ermutigen, dem erworbenen Wissen und der eigenen Intuition zu vertrauen.

Wie bereiten Sie die Menschen auf die Zeit danach, also auf einen eventuellen Bruch mit dem Elternhaus, den Verlust des Jobs oder die Scheidung vom Partner vor? Macht das nicht Angst?

Bärbel Mechler: Ja sicher, der Blick in Richtung Veränderung verunsichert uns grundsätzlich, selbst dann, wenn wir mit dem Rücken zur Wand stehen und nur noch gewinnen können. Doch genau betrachtet, verlieren wir in solchen Konflikten allenfalls eine Illusion, aber nichts Wertvolles. Deshalb ermutige ich meine Klienten zu einem neuen Anfang, der ihnen erlaubt, ihr Leben ab sofort selbst zu gestalten. Das ist für jeden eine unterschiedlich große Herausforderung. Doch darf man nicht davon ausgehen, dass Veränderungen zwingend auf Trennungen hinauslaufen. Im Gegenteil! Sehr viele Menschen lösen sich aus Machtstrukturen und bleiben dennoch in der gewohnten Konstellation – nur eben anders, also nicht mehr als das Opfer, sondern als geachtete Persönlichkeit. Die Entscheidung, ob es am Ende also überhaupt zu einer Trennung kommt, obliegt ganz alleine dem persönlichen Ermessen, den jeweiligen Umständen und den langfristigen Zielen.

Sie sprechen im letzten Kapitel Ihres Buchs von „Vergebung“ – wird hier nicht nahezu Übermenschliches von den „Opfern“ verlangt? Oder bringt Vergebung die endgültige Rettung?

Bärbel Mechler: Vergebung wird auf jeden Fall zur Überforderung, wenn man sie erzwingen möchte. Solange man beispielsweise noch in der Schussbahn seines Angreifers steht und ständig mit neuen Verletzungen attackiert wird, macht es meist nur wenig Sinn, überhaupt darüber nachzudenken. Meiner Meinung nach ist der richtige Weg, zunächst die Situation zu klären und sich danach, wenn bereits etwas Abstand gewonnen wurde, mit Vergebung zu beschäftigen.  Generell empfinde ich es aber als unverzichtbaren Prozess, denn es ist die einzige Möglichkeit, das eigene Seelenfeld wieder zu klären und sich nicht von Bitterkeit vereinnahmen zu lassen. Schließlich leben alle Gefühle in uns weiter, und schmerzhafte Erinnerungen sollten nicht unterschwellig das gegenwärtige Leben beeinflussen. Vergebung dient also auch der eigenen Gesundheit und sie trägt dazu bei, dass unsere Welt so werden kann, wie wir sie uns wünschen. 

Bärbel Mechler: Von Psychopathen umgeben. Wie Sie sich erfolgreich gegen schwierige Menschen zur Wehr setzen, Mankau Oktober 2013, 250 S., 9,95 €

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Über Oliver Bartsch
Online-Journalist, Multimediaentwickler, Fachjournalist mit Schwerpunkt Psychologie, Komplementärmedizin, alternative Wohn- und Arbeitsformen, regenerative Energien, Klimawandel, Spiritualität. Gestalttherapeut

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