Daniel Dufour: Die Heilkraft innerer Krisen

Die Heilkraft innerer Krisen

Die Heilkraft innerer Krisen

Natürliche Selbstregulation

Der Genfer Arzt und Therapeut Dr. med. Daniel Dufour legt nach „Das verlassene Kind“ sein zweites Buch „Die Heilkraft innerer Krisen“ vor, dessen französische Originalversion „Les tremblements intérieurs“ (Die inneren Erschütterungen) sich bereits über 50.000 Mal verkauft hat. Ich habe beide Bücher gelesen und finde, dass dieses Buch eine sehr gute Ergänzung zum ersten Buch darstellt und noch genauer die mehrstufigen Prozesse beschreibt, wie man seine unterdrückten Gefühle wahrnehmen, akzeptieren und ausdrücken kann.

Zunächst einmal postuliert Daniel Dufour, dass alle Krankheiten ihre Ursache darin haben, dass unliebsame Emotionen (zum Beispiel Wut und Trauer) unterdrückt werden: „Jeder, der es sich herausnimmt, das Ausdrücken einer Emotion direkt oder indirekt behindert oder untersagt, macht sich einer kriminellen Vereinigung gegen sich selbst schuldig.“ Etwas martialisch ausgedrückt, aber in der Sache richtig. Es geht ihm um die radikale Erlaubnis, alles auszudrücken, was gerade an Emotionen und Bedürfnissen da ist. Und wenn diese Emotionen blockiert sind oder gar eine Traumatisierung vorliegt (Stichwort „Ängste“), hat der Therapeut die OGE-Methode entwickelt, die er im Herbst 2013 auch in Deutschland vorstellt und die bewirkt, dass blockierte Gefühle in einem mehrstufigen Prozess ausgedrückt werden können.

Daniel Dufour geht es dabei nicht um einen Kampf Schulmedizin gegen alternative Medizin. Er weist lediglich zu Recht darauf hin, dass bei den meisten Störungen im Körper und in der Psyche die natürliche Selbstregulation nicht mehr funktioniert und das diese Störungen nicht dadurch behoben werden können, dass von außen etwas hinzugefügt wird (etwa Medikamente oder Ernährungsprogramme), sondern dass es darum geht, den Betroffenen zu mehr Bewusstheit und Achtsamkeit ihren eigenen Zuständen gegenüber zu verhelfen: „Nur der Betroffene ist dazu fähig, nach dem reinen, wundervollen und von Liebe erfüllten Wesen in ihm zu suchen, dass seit Anbeginn der Zeiten existiert, aber nie gefördert wurde, was zu der Störung geführt hat, unter der er leidet.“

Sehr ausführlich geht Daniel Dufour auf die Ernährung ein, denn in diesem Bereich sind die Störungen in der natürlichen Selbstregulation am offensichtlichsten. Fettleibigkeit, Bulimie und Magersucht sind für ihn Zeichen gestörter Selbstliebe. So steht beispielsweise hinter einer „Fressattacke“ das Verlangen, eine unerträgliche Anspannung im Körper zu entspannen. (Was leider nur sehr kurzfristig gelingt, denn bald darauf baut sich die Anspannung wieder auf und muss erneut durch eine Fressattacke befriedigt werden) Die Anspannung resultiert aus einem unterdrückten Gefühl (Schmerz, Wut, Trauer, Scham oder Ekel) oder einem unterdrückten Bedürfnis (meistens nach Kontakt und Nähe), und führt zu einem inneren Konflikt zwischen Bedürfnisbefriedigung und Vermeidung. Da bleibt als Ausweg oft nur die Sucht, es sei denn, Daniel Dufour (oder andere Therapeuten) bringen durch ihre Therapiemethoden Bewusstheit in den unbewusst ablaufenden Prozess.

Im Schlusskapitel „Die Liebe als Essenz des Lebens“ spannt der Autor noch einmal einen großen Bogen und ruft zu mehr Selbstliebe auf, die schließlich zu mehr Liebe für die anderen und zur Umwelt führt: „Diese Liebe ist tief, real und vollkommen uneigennützig. Sie existiert im Hier und Jetzt, während Vergangenheit und Zukunft aus der Vorstellung kommen und nicht real sind.“

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Über Oliver Bartsch
Online-Journalist, Multimediaentwickler, Fachjournalist mit Schwerpunkt Psychologie, Komplementärmedizin, alternative Wohn- und Arbeitsformen, regenerative Energien, Klimawandel, Spiritualität. Gestalttherapeut

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