Interview mit dem Gesundheitsexperten Hermann Straubinger

Hermann Straubinger

Hermann Straubinger

„Übersäuerung öffnet Krankheiten Tür und Tor“

„Stress, falsche Ernährung und mangelnde Bewegung sind typische Erscheinungsformen ‚moderner‘ Zivilisationen und gleichzeitig die Hauptverursacher von Übersäuerung; unser Körper benötigt jedoch einen ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalt, um den optimalen Ablauf unseres Stoffwechsels zu gewährleisten. Die Maßnahmen zur Gewährleistung dieser so wichtigen Balance sind einfach und zugleich die allgemeine Grundlage eines harmonischen Lebens.“ In seinem Ratgeber-Buch „Übersäuerung“ – die Taschenbuch-Ausgabe seines langjährigen gleichnamigen Bestsellers – vermittelt der erfolgreiche Buchautor Hermann Straubinger wertvolles Wissen und die besten Tipps für ein gesundes Säure-Basen-Gleichgewicht.

Übersäuerung wurde bislang vor allem von Heilpraktikern oder Alternativmedizinern als Ursache vieler Krankheiten gesehen. Nun nimmt sich auch die Schulmedizin verstärkt dieses Themas an. Wodurch wurde dieses zunehmende Interesse geweckt?

Straubinger: Schulmediziner und Naturheilkundler haben mittlerweile voneinander gelernt. So wie immer mehr Ärzte naturheilkundliche Verfahren insbesondere bei der Behandlung von chronischen Erkrankungen anbieten, würde jeder seriöse Naturheilkundler bei lebensbedrohlichen Erkrankungen seine Patienten zum Schulmediziner schicken.

Welche Beschwerden und Symptome zeigen ein gestörtes Säure-Basen-Gleichgewicht an und welche Krankheiten können daraus entstehen?

Straubinger: Symptome wie Sodbrennen, Magen-Darm-Störungen, Muskelkrämpfe oder allgemeine Abwehrschwäche deuten auf Übersäuerungszustände hin. Allein eine Abwehrschwäche öffnet einer Unzahl von Krankheiten Tür und Tor. Dazu kommen Osteoporose, Hautkrankheiten, Niereninsuffizienz, Diabetes, Leberzirrhose oder Arthrosen.

Was sind die Gründe dafür, dass die Übersäuerung als die moderne Zivilisationskrankheit gilt?

Straubinger: Stress, falsche Ernährung und mangelnde Bewegung sind typische Erscheinungsformen „moderner“ Zivilisationen und gleichzeitig die Hauptverursacher von Übersäuerung.

Welche Bedeutung hat das Verhältnis von Säuren und Basen für den menschlichen Organismus?

Straubinger: Säuren und Basen verhalten sich gegensätzlich; beide benötigt unser Körper, um den optimalen Ablauf aller biochemischen Prozesse unseres Stoffwechsels zu gewährleisten. Der Säure- bzw. Basengehalt wird mit dem pH-Wert auf einer Skala von 0 bis 14 angegeben. Dabei stellt der pH-Wert 7 den neutralen Zustand dar. Darunter herrschen saure, darüber basische Zustände. Je nach Organ findet man im Körper unterschiedlichste pH-Werte, die mehr oder weniger stark divergieren. So ist der Magen sehr sauer – hier wird Salzsäure produziert; im Speichel und Zwölffingerdarm herrschen dagegen basische Werte. Nur das Blut hat einen konstanten, leicht basischen pH-Wert von 7,4.

Wie kann man selbst eine Übersäuerung des Körpers feststellen und welche Methoden sind dafür am besten geeignet?

Straubinger: Die Naturheilkunde kennt hauptsächlich zwei Methoden: die Messung der sogenannten Basenpuffer-Reserve im Blut oder Urin sowie die Langzeitmessung über mehrere Tage im Urin.

Erstere untersucht, wie viel Säure das Blut aufnehmen kann. Die Messung ist einfach, jedoch muss das Blut innerhalb etwa einer Stunde nach Abnahme untersucht werden. Es kann also nicht, wie mittlerweile in den meisten Praxen üblich, in ein Labor geschickt werden.

Die zweite Testmethode kann jeder selbst mit Lackmuspapier (Urinstreifen) zuhause erledigen. Die verschiedenen Verfärbungen des Streifens geben den Säurewert an. Am besten erstellt man eine Tageskurve, indem man mehrmals täglich (z.B. alle zwei Stunden) den Test durchführt. Normalerweise liegt der pH-Wert etwa zwei Stunden nach den Mahlzeiten leicht basisch über 7. Dann schüttet die Bauchspeicheldrüse basischen Speichel aus, der den sauren Magenbrei neutralisiert. Die beiden „Basenspitzen“ müssen auftreten, wenn der Säure-Basen-Stoffwechsel im Gleichgewicht ist. Treten sie nicht auf, liegt oft eine Übersäuerung vor.

Was kann man tun, um das harmonische Gleichgewicht des Säure-Basen-Haushalts wiederherzustellen oder einer Störung vorzubeugen?

Straubinger: Die drei Pfeiler für das Säure-Basen-Gleichgewicht sind ausgewogene Ernährung mit reichlich Gemüse und Obst, wenigen tierischen Lebensmitteln und genügend Flüssigkeitszufuhr, ausreichende Bewegung und seelische Ausgeglichenheit. Was also speziell gegen Übersäuerung hilft, entpuppt sich eigentlich als allgemeine Grundlage jedes harmonischen Lebens.

Hinter vielen Krankheiten vermutet man oft alles andere als eine Übersäuerung. Warum bleibt diese Ursache meist unbeachtet?

Straubinger: Für viele „Naturheilkundler“ ist es beinahe selbstverständlich, von Übersäuerung und den damit verbundenen Beschwerden zu sprechen. Die Schulmediziner lehnen das bislang meist ab, da eine Übersäuerung mit bisherigen Untersuchungen noch nicht zu beweisen war. Einig sind sich beide allerdings über die Existenz und Wichtigkeit des Säure-Basen-Haushalts. So wird etwa auch in der Notfallmedizin das Säure-Basen-Verhältnis überwacht. Allerdings legen Schulmediziner hauptsächlich Wert auf die Untersuchung des pH-Wertes im Blut. Dieser bleibt selbst nach hohen sportlichen Belastungen und bei fast allen chronischen Erkrankungen weitgehend konstant leicht basisch.

Dazu ein Auszug aus dem Deutschen Ärzteblatt von 2005 (Heft 26): „Störungen des Säure-Basen-Haushalts sind häufig, sie werden jedoch in der Praxis oft übersehen. […] Besonders bei Patienten mit Niereninsuffizienz, Diabetes, einer Leberzirrhose, einem Emphysem, Diarrhöen oder chronischem Erbrechen sowie unter bestehender Diuretikatherapie ist an Störungen des Säure-Basen-Haushaltes zu denken.“

Hermann Straubinger: Übersäuerung
Die besten Tipps für ein harmonisches Säure-Basen-Gleichgewicht Ihres Körpers, Mankau Verlag, 1. Aufl. März 2013, Taschenbuch, 254 S., 9,95 €

Advertisements

Über Oliver Bartsch
Online-Journalist, Multimediaentwickler, Fachjournalist mit Schwerpunkt Psychologie, Komplementärmedizin, alternative Wohn- und Arbeitsformen, regenerative Energien, Klimawandel, Spiritualität. Gestalttherapeut

One Response to Interview mit dem Gesundheitsexperten Hermann Straubinger

  1. Beata says:

    Stimmt. Basische Ernährung ohne Fett und Zucker kann empfohlen werden

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: