Birgit Frohn und Swen Staack: Demenz – Leben mit dem Vergessen

Swen Staack

Swen Staack

Zufriedenheit trotz Demenz

Die Wissenschaftsjournalistin Birgit Frohn und Swen Staack, Sozialpädagoge und Vorstandsmitglied der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft beschreiben auf verständliche und einfühlsame Weise in ihrem Ratgeber die uns fremde Welt der Demenzkranken. 1,7 Millionen Menschen leiden allein in Deutschland an dieser in den meisten Fällen unheilbaren Krankheit, und im Jahr 2050 werden es doppelt so viele sein. Das Buch unterstreicht die Wichtigkeit der Früherkennung von Demenz, deshalb werden den Symptomen und den verschiedenen Formen der Demenz  – wobei Alzheimer die häufigste Form ist –  viel Platz gewidmet.

Den größten und meiner Meinung nach auch wichtigsten Schwerpunkt legt der Ratgeber auf den Umgang mit Demenzkranken. Jede medikamentöse und nicht-medikamentöse Therapie  – auf beide wird sehr prägnant und nicht zu ausschweifend eingegangen – ist zum Scheitern verurteilt, wenn der Pflegende nicht versteht, dass der Betroffene zunehmend in einer Welt lebt, die mit unserer Logik und unseren Verhaltensmaßstäben nur noch wenig zu tun hat. Demenz bedeutet zwar am Ende den Verlust nahezu aller geistig-seelischen Kräfte und beraubt die Patienten ihres Langzeitgedächtnisses, gleichzeitig kann aber bei richtiger und frühzeitig einsetzender Pflege die Zufriedenheit der Patienten steigen. Denn Menschen mit Demenz sind häufig sehr sensibel in ihren Wahrnehmungen und besitzen somit auch eine erhöhte Fähigkeit zum Ausdruck von Gefühlen wie Freude, aber auch Trauer, Angst oder Wut.

Auch die rechtlichen Rahmenbedingungen wie die Leistungen der einzelnen Pflegestufen, die Neuerungen im Pflegeversicherungsgesetz ab 1. Januar 2013, das frühzeitige Verfassen von Patientenverfügung, Betreuungsverfügung, Vorsorgevollmacht und Testament und die Auswahl der passenden stationären Pflegeeinrichtung werden im Buch behandelt. Am Schluss gibt es noch einen ausführlichen regional untergliederten Adressenteil, unentbehrlich für alle Angehörigen, die sich nicht im Behördendickicht verlaufen wollen.

20 Seiten widmen die Autoren dem wichtigen Thema „Wo bleibe Ich?“ zur Vorbeugung des „Helfersyndroms“ beim Pflegepersonal. Anhand eines Stresstests können Pflegende feststellen, wie hoch ihr Stresspegel ist, und gegebenenfalls gegensteuern, wenn er bereits zu hoch ist. Pflege kann krank machen, wenn der Pflegende nicht für sich sorgt, deshalb fordern die Autoren „Nehmen Sie Hilfe an“ und nennen Beratungsstellen, Angehörigengruppen, Betreuungsgruppen, Ambulante Hilfen, mobile soziale Dienste, sowie Kurzzeit- und Tagespflege als Anlaufstationen.

Birgit Frohn und Swen Staack: Demenz – Leben mit dem Vergessen, Diagnose, Betreuung, Pflege – Ein Ratgeber für Angehörige und Betroffene, Mankau Verlag, 1. Auflage November 2012, Klappenbroschur, 2-farbig, 238 Seiten, ISBN 978-3-86374-059-7, 14,95 € (D)

Advertisements

Über Oliver Bartsch
Online-Journalist, Multimediaentwickler, Fachjournalist mit Schwerpunkt Psychologie, Komplementärmedizin, alternative Wohn- und Arbeitsformen, regenerative Energien, Klimawandel, Spiritualität. Gestalttherapeut

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: