Jorgen Randers: 2052 – der neue Bericht an den Club of Rome

Jorgen Randers

„Die Menschheit reagiert zu langsam“

40 Jahre nach dem Millionen-Bestseller „Die Grenzen des Wachstums“ von 1972 hat der Club of Rome einen neuen Zukunft-Bericht vorgestellt „2052 – eine globale Prognose für die nächste 40 Jahre“. Der norwegische Autor Jørgen Randers, Professor für Klimastrategie,  entwirft darin – gestützt auf eine breite Auswertung aus Daten von vielen weltweit anerkannten Klimaforschern – eine düstere Zukunftsprognose bis zum Jahr 2052: Der weltweite Energieverbrauch werde noch Jahrzehnte steigen, der Wachstumstrend der Treibhausgasemissionen noch bis 2030 anhalten und die Welt in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts in einen sich selbst verstärkenden Klimawandel mit katastrophalen Folgen stürzen.

Die Prognose für 2052 enthält folgende Trends:

  • Der globale Bevölkerungszuwachs wird früher als erwartet stagnieren und kurz nach 2040 bei 8,1 Milliarden seinen Höchststand erreichen und dann zurückgehen. Die Bevölkerung wird in immer größerem Anteil in Städten leben
  • Das weltweite Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird künftig langsamer steigen. 2052 wird es nur 2,2 mal größer sein als heute
  • Die Wachstumsrate  beim globalen Konsum und das Produktivitätswachstum wird sinken, weil ein größerer Anteil am BIP für Investitionen ausgegeben werden muss, um die Probleme zu beseitigen, die durch Ressourcenerschöpfung, Umweltverschmutzung, Klimawandel, Verlust der Biodiversität und soziale Verteilungskämpfe entstehen
  • Langsames Wachstum des Pro-Kopf-Verbrauchs und Stagnation in den reichen Weltregionen wird vermehrt zu Spannungen und Konflikten führen
  • Den Anteil der erneuerbaren Energie am Energiemix liegt 2052 bei 40 Prozent. Der weltweite Energieverbrauch wird noch bis zum Jahr 2040 ansteigen. Die Treibhausgasemissionen werden zwar durch Effizienzfortschritte gemindert, steigen aber noch bis 2030 an.

Die breite Datenbasis von „2052“ lasse nur einen Schluss zu, dass die Menschheit zu langsam reagiere, so der Autor.  Der kritischste Faktor seien die anthropologischen, also von Menschen verursachten Treibhausgasemissionen, deren Auswirkungen auf die Erderwärmung inzwischen unter ernsthaften Wissenschaftlern unstrittig sind: „Diese Emissionen werden so hoch bleiben, dass unsere Enkel in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts wahrscheinlich mit einer selbst verstärkenden und damit unkontrollierbaren globalen Erwärmung leben müssen.“

2,8 Grad Erderwärmung ist der kritische Punkt

Um das Jahr 2080 wird sich die Erde um 2,8 Grad gegenüber dem vorindustriellen Stand aufgewärmt haben, das ist für viele Klimaforscher der kritische Punkt, wo der Klimawandel unumkehrbar ist. Aus den Permafrostböden in der Arktis werde das starke Treibhausgas Methan entweichen, weil der frostige Grund zu tauen beginne. Es wird den Globus weiter aufheizen und noch mehr Permafrost schmelzen lassen. Das führe zu Dürren, Überschwemmungen, Anstieg des Meeresspiegels um einen halben Meter, Rückgang der Biodiversität (2052 könnten 40 Prozent der Arten ausgestorben sein) und der Wanderung der fruchtbaren Böden um fünf Kilometer pro Jahr Richtung Norden und fünf Meter pro Jahr die Berge hinauf. In 40 Jahren werden also 200 Kilometer mehr Wüste entstanden sein.

Foto: J.Trampert pixelio.de

Es gibt eine Lösung

Die Wahrscheinlichkeit, dass die weltweiten Entscheidungsträger in den nächsten zehn Jahren das Ruder rumreißen werden, ist nach Ansicht von Randers nicht sehr hoch. Dabei wäre die Menschheit in der Lage, es zu tun. Die Weltgemeinschaft müsse nur die Energieeffizienz erhöhen, komplett auf erneuerbare Energien umsteigen, das Abholzen der Wälder beenden und einen Großteil fossiler befeuerter Kraftwerke mit Anlagen zur CO2-Abscheidung und -Speicherung ausstatten. Weltweit würde das etwa ein Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts kosten. Das Problem sei jedoch die freie Marktwirtschaft, die lieber in kurzfristige Gewinnmaximierung investiere als in langfristige nachhaltige Projekte, die zunächst einmal teurer seien. Nötig seien starke, supranationale Organisationen und Regierungen, die eine vorausschauende Politik betrieben, wo sichergestellt sei, dass der ökologische Fußabdruck der Menschheit (derzeit überschreitet der menschliche Anspruch an die Biosphäre die globale Biokapazität um 40 Prozent)  eine nachhaltige Größenordnung einnimmt.

Der Bericht enthält 35 Ausblicke von international führenden Wissenschaftlern, Ökonomen und Zukunftsforschern zu so unterschiedlichen Themen wie „Das Ende des Wirtschaftswachstums“, „Das Ende der Eintracht zwischen den Generationen“ oder „Extremwetter im Jahr 2052“. Zahlreiche Statistiken flossen in die Zukunftsmodelle ein, sodass ein belastbares Ergebnis zustande gekommen ist, dass eine höhere Eintrittswahrscheinlichkeit aufweist als sein 40 Jahre älterer Bruder.

Jorgen Randers: 2052 –  der neue Bericht an den Club of Rome. Eine globale Prognose für die nächsten 40 Jahre, 432 Seiten, oekom Verlag München, 2012, 24,95 Euro

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Über Oliver Bartsch
Online-Journalist, Multimediaentwickler, Fachjournalist mit Schwerpunkt Psychologie, Komplementärmedizin, alternative Wohn- und Arbeitsformen, regenerative Energien, Klimawandel, Spiritualität. Gestalttherapeut

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