Wilfried Ehrmann: Vom Mut zu wachsen

Integrale Schattenarbeit

Wilfried Ehrmann

Wilfried Ehrmann

Der Mensch als Teil der Schöpfung entwickelt sich, aber wohin entwickelt er sich, und welche Faktoren spielen dabei eine Rolle? Dass Kulturgeschichte und Bewusstsein sich beeinflussen, hat der amerikanische Psychologe Clare Graves (1914-1986) in seinem Modell der Spiraldynamik postuliert. Das Modell einer integralen Bewusstseinsevolution machten sich dann Ken Wilber, Don Beck und Christopher Cowan zu eigen mit ihrem Modell der Integralen Theorie, einem systematischen Modell für eine ganzheitliche Welterklärung.

Der Österreichische Psychotherapeut Winfried Ehrmann wagt nun den Versuch, dieses theoretische Modell der sieben Stufen der Bewusstseinsevolution (tribal, emanzipatorisch, bürokratisch, materialistisch, personalistisch, systemisch, holistisch) ganz praxisnah auf den einzelnen Menschen anzuwenden. Einerseits entwickelt sich die gesamte Menschheit auf einer oder verschiedenen kulturellen Stufen, andererseits steht jeder Mensch ganz individuell auf seiner eigenen Entwicklungsstufe. Aus diesem Spannungsfeld heraus ergeben sich Entwicklungspotentiale und Entwicklungshemmnisse.

Die Menschheit als Ganzes steht an der Schwelle vom personalistischen zum systemischen Bewusstsein, also von Stufe fünf zu Stufe sechs. Aus heutiger Sicht sei das Endziel der Menschheit das Erreichen von Stufe sieben, das holistische oder universalistische Bewusstsein, das die erfolgreiche Integration aller früheren Bewussteinstufen beinhalte, die völlige Freiheit von Angst und die Überwindung aller angstgesteuerten Motive.

Wie gelangt der einzelne Mensch nun von einer Stufe zur nächsten? Ganz einfach, indem er »über seinen Schatten springt«. Wachstum bedeutet für Winfried Ehrmann auch immer Beschäftigung mit seinen Schatten, deshalb stehen am Ende eines jeden Kapitels der sieben Bewusstseinsstufen immer praktische Übungen, wie man über seinen Schatten springen kann. So eignen sich auf der therapeutischen Ebene systemische Therapien und Aufstellungsarbeit ganz hervorragend, um von der individuellen, personalistischen Ebene auf die systemische Ebene zu gelangen, wo der Mensch sich in sozialen Netzwerken organisiert und sein Denken zunehmend vernetzter, relativer und beziehungsreicher wird.

Mir wurde bei dieser Lektüre sehr deutlich, dass es meine Ängste sind, die mich blockieren und gleichzeitig zu weiterem Wachstum motivieren. Wenn wir auf der gegenwärtigen Stufe unserer Entwicklung keine Möglichkeit sehen, unsere Bedürfnisse zu stillen, beginnen wir nach Neuem Ausschau zu halten. Dieses Neue zeigt sich schon auf allen Ebenen, wirtschaftlich, kulturell und psychosozial, denn immer mehr Menschen vertrauen sich Unterstützungssystemen wie Tauschringen, regionalen Geldsystemen, Coaching, Gemeinschaftstraining, gewaltfreien Kommunikationsmodellen und Therapien an.

Wilfried Ehrmann: Vom Mut zu wachsen. Die sieben Stufen der Integralen Heilung. Kamphausen 2011, 387 S., SC, 24,95 €

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Über Oliver Bartsch
Online-Journalist, Multimediaentwickler, Fachjournalist mit Schwerpunkt Psychologie, Komplementärmedizin, alternative Wohn- und Arbeitsformen, regenerative Energien, Klimawandel, Spiritualität. Gestalttherapeut

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