Rupert Neudeck: Die Kraft Afrikas

Jenseits von Afrika

Rupert Neudeck

Rupert Neudeck

Mein erster Kontakt zu dem fremden Kontinent Afrika war die amerikanische Fernsehserie »Daktari« in den frühen 70er Jahren. Wilde Tiere, endlose Steppen, wilde schwarze Ureinwohner und edle weiße Entwicklungshelfer, die der unzivilisierten heimischen Bevölkerung zeigten, wie man die Natur richtig schützt. Das hat mein Bild von Afrika nachhaltig geprägt. Dann kam der Schmachtfetzen »Jenseits von Afrika« in den 80er Jahren in die Kinos, auch hier wurde kräftig idealisiert.

Interessiert sich heutzutage jenseits von kitschiger Romantik, Safariurlaub im Nationalpark und dem Helfersyndrom der Entwicklungshelfer noch wirklich jemand für die Belange Afrikas? Es sind wohl auch jetzt, nach der Fußballweltmeisterschaft, nur wenige.

Umso mehr hat mich das Buch von Rupert Neudeck aufgerüttelt und für das Sorgenkind Afrika sensibilisiert. Der Afrika-Kenner, der mit seinen »Grünhelmen« eine Entwicklungshilfe von unten leistet, schildert schonungslos die Wirtschaftsmisere auf dem Kontinent, die in den meisten Fällen eine Folge von korrupten Machteliten ist, die den Staat mit ihrem eigenen Bankkonto verwechselt haben. Der beliebten These, dass die afrikanische Mentalität die Hauptursache der verzögerten wirtschaftlichen Entwicklung ist, erteilt er eine klare Absage. Vielmehr habe »die Gier nach Macht und Reichtum der herrschenden Eliten der Misere eine besondere Ausprägung gegeben, der Aufbau Afrikas führte zu hemmungsloser Bereicherung.«

Das Buch gibt einen guten geschichtlichen Überblick über die Kolonialisierung, beschreibt die Geschichte einzelner afrikanischer Staaten, erläutert die Probleme in der Gegenwart und beschreibt sehr anschaulich, warum die Form der bisherigen Entwicklungshilfe scheitern musste.

Gibt es für Afrika eine Zukunft? Wenn es nach dem Gründer des »Komitee Cup Anamur« geht, unbedingt. Die Bedingung: »Die Europäer müssen aufhören, in kolonialen Kategorien zu denken und beginnen, Eurafrika aufzubauen. Für mich entscheidet sich die Zukunft Eurafrikas an dem Engagement, mit dem wir den afrikanischen Jugendlichen begegnen. Zwei von ihnen erfroren bei einer Flucht, als sie sich im Radlager eines Flugzeugs versteckt hatten, das von Guinea nach Brüssel flog. Sie hatten einen Zettel mit, auf dem stand: Helfen Sie uns, wir haben Probleme, die Probleme sind Krieg, Krankheit und Hunger, und Kinder haben keine Rechte. Wir bitten Sie, eine große Organisation zu gründen, die Afrika hilft, damit es Fortschritte machen kann.«

Rupert Neudeck: Die Kraft Afrikas: Warum der Kontinent noch nicht verloren ist, C. H. Beck 2010, 288 S., HC, 19,95 € €

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Über Oliver Bartsch
Online-Journalist, Multimediaentwickler, Fachjournalist mit Schwerpunkt Psychologie, Komplementärmedizin, alternative Wohn- und Arbeitsformen, regenerative Energien, Klimawandel, Spiritualität. Gestalttherapeut

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