Interview mit Christine Höfig zur Renaissance des Schamanismus

»Eine undogmatische, persönliche Spiritualität«

Christine Höfig

Christine Höfig

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern, und sogar bis auf die Titelseite der »Bild«-Zeitung ist es vorgedrungen: Die Menschheit ist dabei, sich selbst zu vernichten. Uns droht die Klimakatastrophe, die Überbevölkerung und eine Zeit der Kriege um knapper werdende Ressourcen. Immer mehr Menschen kommen mit der Globalisierung in der Postmoderne nicht mehr zurecht und erkranken an der Seele. Ist die Rückbesinnung auf traditionelle Heilmethoden und eine spirituelle Neuausrichtung der Königsweg aus der Krise?

Der Connection Verlag hat beschlossen, zukünftig statt zwei vier Schamanismushefte im Jahr herauszubringen. Ist das nicht angesichts einbrechender Anzeigenumsätze und zurückgehender Abonnenten in vielen Verlagen ein zum Scheitern verurteiltes Unterfangen?

Ich denke, die Zeit ist reif. Der Schamanismus erfährt einen enormen Zulauf. Leider kennen viele am Schamanismus Interessierte unsere Reihe noch gar nicht. Mit regelmäßig neuen Heften wird sich das aber hoffentlich schnell herumsprechen. Es gibt kein vergleichbares Printmagazin im Handel für diese stetig wachsende Zielgruppe.

Das vierte Heft in der Reihe Schamanismus befasst sich mit dem Thema »Schamanismus und Ökologie«. Was ist an diesem Thema so spannend, das es viele interessieren könnte?

Es geht uns alle an. Wir Menschen arbeiten seit Jahrhunderten daran, unsere Lebensgrundlage zu zerstören. Eigentlich der reine Wahnsinn – wir wissen genau, dass wir mit diesem Handeln letztendlich uns selber schädigen; dennoch hören wir nicht auf damit. Wie können wir nur so dämlich sein?

Ich denke, wir haben zwar vom Verstand her begriffen, dass wir nur uns selber schaden, aber der spirituelle Hintergrund fehlt, um dieses Wissen tief in uns zu verankern. Der Schamanismus kann da helfen: Schamanen sehen die Natur als heilig an, und sie wissen, dass alles mit allem verbunden ist. Vom Schamanismus können wir lernen, diese Verbindung zur Natur wieder zu spüren.

Was entgegnest du denen, die behaupten, Schamanismus sei eine rückwärtsgewandte Herangehensweise, die die Probleme der heutigen Zeit nicht lösen kann.

Zum einen geht der Schamanismus mit der Zeit. In Afrika gibt es Schamanen, die Handys an ihre Götterstatuen kleben, damit die ihren Kontakt zu den Menschen verbessert (lacht). Aber auch sonst passt der Schamanismus in unsere heutige Zeit. Die dogmatischen Buchreligionen können die Fragen der modernen Menschen nicht beantworten. Die Leute hinterfragen mehr und mehr, sie lassen sich nicht mehr alles vom Priester vorschreiben. Eine undogmatische, persönliche Spiritualität, wie der Schamanismus sie vorlebt, passt viel besser in unsere heutige Zeit.

Was interessiert dich persönlich am Thema Schamanismus?

Mit Anfang 20 traf ich eher zufällig auf eine Gruppe von Neu-Heiden. Es war wie ein Heimkommen. Als sie mir ihren Glauben erklärten, wusste ich sofort: Das ist es! Mir gefällt vor allem das Undogmatische, Freiheitliche am Schamanismus und ganz besonders am Heidentum.

Du hast gesagt »Die Welt ist ein Spiegel des Zustandes unserer Seelen«. Was hast du damit gemeint?

Wir erschaffen die Realität! Das bedeutet nicht, dass man als Einzelperson verantwortlich ist für Krieg, Hungersnot und Naturkatastrophen, sondern eher, dass die Außenwelt ein Spiegel unserer aller Seelen. Jeder dritte Deutsche leidet unter einer diagnostizierten psychischen Erkrankung. Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich noch höher. In armen Ländern sind es weniger diagnostizierte psychische Erkrankungen. Wir neigen dazu, zu sagen: »Schau, die sind zwar ärmer, aber glücklicher«. Ich vermute jedoch, dass das ein Trugschluss ist. In Ländern, wo eine medizinische Versorgung für körperliche Gebrechen kaum vorhanden ist, bleiben natürlich psychische Probleme noch viel eher unbehandelt. Unsere Seelen sind krank, nicht nur bei uns, sondern überall auf der Welt. Und das spiegelt sich in einer »kranken« Umwelt wider.

Ist die Menschheit ein Auslaufmodell? Es sind ja auch viele andere Tiere im Lauf der Evolution ausgestorben.

Gut möglich. Mammuts und Dinosaurier sind wegen einer Klimaveränderung ausgestorben. Im Gegensatz zu uns haben sie diese allerdings nicht selbst ausgelöst. Insofern sind wir vielleicht die einzige Art, die es schafft, sich selbst auszurotten.

Glaubst du an ein Leben nach dem Tod?

Definitiv ja. Das christliche Modell von Himmel und Hölle ergibt für mich keinen Sinn. Ich käme nie auf die Idee, meine Feinde für alle Zeiten in die Hölle zu schicken. Wenn nun also Gott, der doch das personifizierte Gute sein soll, alle Menschen, die ihm nicht passen, in die Hölle schickt – dann wäre er ja grausamer als ich, was nun nicht zum personifizierten Guten passt. Reinkarnation erscheint mir da viel logischer. Ob man sich wirklich sein Leben und seine Lektionen aussucht, so wie manche Esoteriker behaupten – das kann ich nicht beantworten.

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Über Oliver Bartsch
Online-Journalist, Multimediaentwickler, Fachjournalist mit Schwerpunkt Psychologie, Komplementärmedizin, alternative Wohn- und Arbeitsformen, regenerative Energien, Klimawandel, Spiritualität. Gestalttherapeut

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