Richard Bach: Der Pilot

Kreative Trance

Richard Bach

Richard Bach

Der Spitzentitel des Allegria-Verlages im Herbst 2010 ist das neue Buch von »Möwe Jonathan«- Autor Richard Bach. 40 Jahre (!) nach seinem Bestseller schickt sich der inzwischen 75-jährige amerikanische Schriftsteller wieder an, einen »großen spirituellen Roman« zu schreiben, zumindest wenn man den Versprechungen des Allegria-Verlages folgen will.

Das Buch hat auf jeden Fall eine hypnotische, suggestive Wirkung auf mich ausgeübt (gefühlte 200 mal kommen die Worte »Suggestion« und »Hypnose« vor) und ist damit ein lebender Beweis für die Hypothese, die diesem Buch zugrunde liegt: »Das Leben besteht aus einer Aneinanderreihung von Suggestionen, die man für wahr oder falsch halten kann. Wir wählen permanent aus, was wir für wahr oder falsch halten und prägen so unser Bewusstsein.«

Im gelungenen ersten Teil macht der Autor seine Hypothese am Beispiel der Hypnose klar. Der Held Jamie Forbes ist ebenso wie der Autor Fluglehrer und kommt während eines Überführungsfluges mit Maria in Funkkontakt, die ihm meldet, dass ihr Mann gerade einen Herzinfarkt erlitten hat. Forbes leitet nun die verzweifelte Maria, die noch nie eine Maschine geflogen hat, per Funkkontakt sicher auf den Boden. Am nächsten Tag liest er in der Zeitung, dass diese Frau behauptet hat, er habe sie hypnotisiert – ansonsten hätte sie das gar nicht geschafft. Danach begegnet er der geheimnisvollen Gwendolyn, deren Mann ein bekannter Bühnenhypnotiseur war, der ihn in seiner Jugend mal hypnotisiert hatte. Kleiner Schönheitsfehler: Als Jamie Forbes bei Wikipedia nachschaut, stellt er fest, dass Maria schon seit zwei Jahren tot ist. Bis hierhin ist die Geschichte spannend, poetisch und flüssig geschrieben, denn man wartet gespannt auf die Auflösung, wie Jamie Forbes es geschafft hat, mit einer Toten zu reden.

Leider folgt im zweiten Teil das bei vielen spirituellen Romanen übliche esoterische Dahergerede. Da Gwendolyn verschwunden bleibt, redet unser Held fortan mit seinem höheren Selbst. Hier ein Beispiel:
»Jamie: Wir erschaffen uns selbst aus Fantasien, Suggestionen und Ideen. Dann lassen wir uns in eine Umwelt hineinziehen, in der viele Leute sich in der Trance befinden, in die wir uns auch gerne versetzten wollen.
Höheres Selbst: Ich werde mich daran erinnern, dass ich diese Welt erschaffen habe und dass ich sie durch meine eigenen Suggestionen verändern und verbessern kann, wann immer ich das wünsche.
Jamie: Wir können unser eigenen Geschichte jederzeit eine neue Richtung geben, aber unser Glaube an die Raumzeit ist unsere Bühne, und sobald wir vergessen, dass wir sie verändern können, leben wir in einer unkreativen Trance statt in einer kreativen.«

Da auch das höhere Selbst fortan schweigt, neigt sich die Geschichte dem Ende zu und endet mit einem schönen Knalleffekt, der nun wirklich dem letzten Begriffsstutzigen klarmacht, dass es keine Zufälle im Leben gibt und alles einer sinnvollen Bestimmung zugeführt wird. Aber lest selbst…

Richard Bach: Der Pilot: Die Weisheit wartet über den Wolken. Allegria 2010, 192 S., HC, 16,95 €

Advertisements

Über Oliver Bartsch
Online-Journalist, Multimediaentwickler, Fachjournalist mit Schwerpunkt Psychologie, Komplementärmedizin, alternative Wohn- und Arbeitsformen, regenerative Energien, Klimawandel, Spiritualität. Gestalttherapeut

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: