Felix Ihlefeldt: Wenn man mehr als einen liebt

Liebe in Mehrfach-Beziehungen

Felix Ihlefeldt

Felix Ihlefeldt

Felix Ihlefeldt ist Sozialtherapeut und lebt in Berlin. Sein Interesse gilt den Themen Sexualität und Partnerschaft. In diesem sehr lesenswerten Taschenbuch hat er zwölf Interviews mit Beziehungsgruppen veröffentlicht, die die ausgetretenen Pfade der Monogamie verlassen und neue Wege in der Partnerschaft ausprobiert haben. Durch die Form des autobiografischen Interviews, das die ganze Lebensgeschichte beinhaltet, sind die Entwicklungen der einzelnen Menschen gut nachvollziehbar. Allen gemeinsam ist ein sehr konventioneller, ja in vielen Fällen verklemmter und verdrängter Umgang mit Sexualität, Gefühlen und Beziehungen in der Jugend und der daraus resultierende Wunsch, alternative Beziehungsmodelle auszuprobieren.

Kann ich Freiheit und Nähe gleichzeitig leben?

Hier kommen Menschen zu Wort, die in ihrem Leben Phasen haben, in denen sie mehr als einen Menschen lieben. Passiert nicht genau das jedem Menschen irgendwann in seinem Leben? Doch gibt es dafür keine Lösungen, die gesellschaftlichen Konventionen entsprechen. Um neue Beziehungsmodelle auszuprobieren und zu entwickeln, muss man gesellschaftliche Vorurteile und Widerstände überwinden. Auch davon legen diese Interviews ein beredtes Zeugnis ab.

Die beschriebenen Beziehungsmodelle geben unterschiedliche Antworten auf die ewigen Fragen der Menschen: Kann ich Freiheit und Nähe gleichzeitig leben? Kann ich Sicherheit und Stabilität leben und mich gleichzeitig weiterentwickeln? Kann ich eine offene Beziehung leben und trotzdem Vertrauen entwickeln? Ist das Leben in polyamoren Beziehungen nur eine Flucht vor Nähe und Verantwortung? Wie kann ich offene Beziehungen leben, ohne den Partner zu verletzen?

Diese und andere Fragen werden von den Interviewteilnehmern intensiv und einfühlsam beantwortet. Ich habe mich beim Lesen oft wieder erkannt und war erstaunt, mit welcher Offenheit hier die eigenen Bedürfnisse artikuliert werden und wie tief in diesen Fällen die Bereitschaft war, auf die Bedürfnisse des Anderen Rücksicht zu nehmen. Viel größer übrigens als in den meisten monogamen Partnerschaften, die oft von Eifersucht und Besitzdenken statt von Vertrauen geprägt sind. In Berlin und anderen Städten sind schon Polyamorie-Netzwerke entstanden, wo Menschen neue Beziehungsformen ausprobieren können.
Für mich ist Polyamorie der kommende Megatrend für das postmoderne Zeitalter. Lassen wir zum Schluss Holger zu Wort kommen, der in einem Polyamorie-Netzwerk in Berlin lebt: »In offenen Beziehungen findet man oft ein ganz besonderes Angenommensein. Polyamorie heißt ja nicht, jedem Impuls nachzugeben, aber wenn ich ausspreche, was ich fühle, dann bekomme ich sofort Verständnis.«

Felix Ihlefeldt: Wenn man mehr als einen liebt: Frauen und Männer erzählen von ihrer Art, Partnerschaft freier zu leben, Schwarzkopf & Schwarzkopf 2008, 302 S., SC, 9,90 €

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Über Oliver Bartsch
Online-Journalist, Multimediaentwickler, Fachjournalist mit Schwerpunkt Psychologie, Komplementärmedizin, alternative Wohn- und Arbeitsformen, regenerative Energien, Klimawandel, Spiritualität. Gestalttherapeut

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