William Paul Young: Die Hütte

Wie kann Gott unerträgliches Leid zulassen?

William Paul Young © Bobby Downes

William Paul Young © Bobby Downes

Zwei Wochen nach Erscheinen in Deutschland auf Platz 9 in der Spiegel-Bestsellerliste und Platz 36 bei amazon – ganz ordentlich, aber nicht solch ein Durchstarter wie in den USA, wo angeblich 6 Millionen Exemplare verkauft wurden, und das nur durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Um es gleich vorweg zu sagen: Ich finde, es hat Platz 1 verdient, und zwar in allen Bestsellerlisten, und mindestens so viele Käufer wie Hape Kerkelings »Ich bin dann mal weg«, denn selten hat ein Buch eine so große transformatorische Kraft auf mich ausgeübt.

Der Kanadier William Paul Young hat das Buch für seine sechs Kinder zu Weihnachten als »kosmischen Witz« geschrieben, denn Gott erscheint als Afroamerikanerin, die sich selbst Papa nennt, Jesus als Handwerker und der Heilige Geist als asiatische Frau. »Das Ganze ist Fiktion, keine systematische Theologie und auch nicht das beste Buch über Gott seit der Bibel, sondern einfach ein kleiner Roman, den ich für meine Kinder geschrieben habe«, erklärt der Autor bescheiden.

Die Geschichte: Macks jüngste Tochter ist vor Jahren entführt und wahrscheinlich umgebracht worden. Ihre letzten Spuren hat man in einer Schutzhütte im Wald gefunden, in deren Nähe die Familie bei einem Ausflug campierte. Jetzt erhält Mack rätselhafte Einladungen, die ihn aus seiner tiefen Depression reißen. Diese Einladungen locken ihn in die Hütte, wo er an einem bemerkenswerten Wochenende Gott, Jesus und den Heiligen Geist persönlich trifft. In furiosen Dialogen mit Gott über das Böse und den Schmerz der Welt kommt Mack zu einem neuen Verständnis von Schöpfung und Christentum.

Ich habe die Hörbuchvariante (genial vorgetragen von Johannes Steck, bekannt aus der ZDF-Serie »in aller Freundschaft«) auf der Hin- und Rücktour zu einer Familienaufstellung gehört, wo meine Beziehung zu Gott das Hauptthema war. Sowohl die Aufstellung als auch das Hörbuch haben mich tief transformiert, denn ähnlich wie der Hauptdarsteller Mack war auch ich voller Verzweiflung, Opferbewusstsein und Schuldzuweisungen und habe mich gefragt, ob ich von Gott und der Welt verlassen bin angesichts meines persönlichen Unglücks und dem trostlosen Zustand der Welt.

Es mag kitschig klingen, aber so war es: In meiner Verzweiflung habe ich Gott angeschrieen, er soll sich doch endlich zeigen und habe mich auf den Boden geworfen, um zu zeigen, dass ich bereit bin. Da öffnete meine Therapeutin mir die Hände, um die Liebe Gottes zu empfangen. Plötzlich durchflutete mich ein unsagbares Glücksgefühl, alle Wut und Verzweiflung fiel von mir ab, und ich spürte Gottes Liebe in mir. Sie schien sich in dem ganzen Raum auszubreiten, und für einen Moment fühlte ich mich mit allen Menschen im Raum in tiefer Liebe verbunden. Natürlich hat mein Verstand bald wieder die Vorherrschaft übernommen und das Erlebnis in Frage gestellt. Aber immer, wenn ich eine Frage an Gott habe, wende ich mich direkt aus dem Herzen ihm zu und bekomme auch eine Antwort.

Auch Mack hat viele Fragen an Gott wie zum Beispiel »Wie kann er es zulassen, dass meine kleine Tochter von einem Serienkiller ermordet wurde?« Da er aber keinen Zugang zu Gott hat, breitet sich vier Jahre lang der Mantel der Traurigkeit über ihm aus und erstickt seine Lebensfreude. Erst als er sich seinem Herzen (der inneren Hütte) zuwendet und Gott, Jesus und dem Heiligen Geist begegnet, kann er seine Rachegefühle in Vergebung transformieren. Nichts anderes versuchen die zahllosen Therapien (wie beispielsweise die radikale Vergebung von Colin Tippings), die die gestauten und blockierten Gefühle wie Wut, Schmerz, Rache, Hass bewusst machen und in positive Gefühle wie Vergebung, Achtsamkeit und Liebe transformieren. Ein Buch also, das ich auch als Therapiebegleitung empfehlen möchte.

William Paul Young: Die Hütte – ein Wochenende mit Gott. Allegria 2009, 304 S., HC, 16,90 €
Als Hörbuch, 6 CDs, 21,95 €

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Über Oliver Bartsch
Online-Journalist, Multimediaentwickler, Fachjournalist mit Schwerpunkt Psychologie, Komplementärmedizin, alternative Wohn- und Arbeitsformen, regenerative Energien, Klimawandel, Spiritualität. Gestalttherapeut

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